Warum Umweltpädagogik ?

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„Wir sind so gern in der Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.“   (Nietzsche)

Die folgenden Zitate sind unserer Broschüre „Umweltpädagogik in der Heimerziehung“, von Petra Laux und Waltraut Tilk-Thelen entnommen.

Die Kinder können sich der Natur mit ihrem ganzen Wesen nähern, ohne Ablehnung und Bedingungen zu erfahren. Zugleich werden Erlebnisse in der Natur zu einem Erfahrungsschatz, der innerlich reich macht.

Umweltpädagogik möchte positive Erfahrungen in der Natur und Umwelt ermöglichen, die eigenen Erlebnisse der Kinder zulassen und ihnen helfen, die Welt mit offenen Augen zu betrachten. Dabei kann nicht festgelegt werden, wie sich die Kinder als Erwachsene richtig verhalten. Es soll vielmehr ein Raum geschaffen werden, in dem positive Erlebnisse in der Natur und der Umwelt im Mittelpunkt stehen.

Dabei ist die Natur sowohl Gegenstand als auch Medium: „Sie ist ständig neu und doch bietet sie die Erfahrung von Verlässlichkeit und Sicherheit: Der Baum im Garten überdauert die Zeit der Kindheit und steht so für Kontinuität. Die Vielfalt der Formen, Materialien und Farben regt die kindliche Phantasie an, sich mit der Welt und auch mit sich selbst zu befassen.“(Gebhard 1994)

Kinder sind wissbegierig. Sie können über Neues und Unbekanntes staunen. Sie besitzen Forscher- und Entdeckerseelen. Es ist ihnen ein Bedürfnis, die Welt zu verstehen und in ihr den eigenen Platz zu finden. Entdecken und Begreifen, das kommt ihrer inneren Natur entgegen.

Denn wenn Wissen über den Erfahrungsweg gewonnen wird, erhält es eine andere Qualität. Wissen schafft Selbstvertrauen. Es macht sicher im Umgang mit den Dingen in der Welt. „Ich weiß, dass dieses Tier mich nicht beißt, deshalb kann ich es in die Hand nehmen“. Beim Draußen-sein, beim Begreifen der Umgebung ergibt sich ein kreativer Umgang mit den dort vorhandenen Dingen von selbst. Wildes, ungeformtes Naturmaterial regt die Phantasie der Kinder an und lässt Assoziationen jeglicher Art zu. Aus einem Stück Baumrinde und einem Blatt kann ein kleines Segelboot entstehen. Die Erfahrungen, etwas selbst herzustellen und eigene Ideen einzuflechten, sind sehr befriedigend, machen Kinder glücklich und stolz und stehen außerdem im positiven Gegensatz zu unserer schnellen, konsumorientierten Welt.     

Die Entfaltung aller Sinnesorgane trägt wesentlich zu einer gesunden Entwicklung von Kindern bei. Den Duft des Waldbodens riechen, die Aufmerksamkeit auf das Rauschen der Blätter lenken, die Hände auf die knorpelige Rinde legen – das bewusste Wahrnehmen und Genießen der Sinne macht die Qualität aus.

Der Aufenthalt in der Natur bietet die Möglichkeit, durch Bewegung den eigenen Körper auszuprobieren. Die Kinder erfahren Anstrengung und Entspannung und erleben, was sie können (Thiemann 1988). Wildes Umherschweifen beim Versteckspielen oder beim Hüttenbau, wirkt nicht nur wohltuend auf den Körper, sondern entfaltet seine befreiende Wirkung auch im seelisch-emotionalen Bereich.

„Wenn die Gefühle einmal geweckt sind, der Sinn für Schönheit, für das Erregende des Neuen und Unbekannten, Gefühle der Sympathie, des Mitleids, der Bewunderung und Liebe, dann verlangen wir auch nach Wissen und Kenntnis von den Gegenständen, die unsere Gefühle ansprechen. Ist das erlangt, dann ist es auch von Dauer.“ (Carson 1981)