Schwedenpark – Ökologische und Soziale Bedeutung

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Von der Straße her kommend sieht man fällt das schöne schmiedeeiserne Gitter auf, das allerdings schon längst einen neuen Anstrich benötigen würde. Das Gelände ist nur von der Einfahrt zu der dahinter befindlichen Wohnbebauung zugänglich. Der erste Eindruck vom Park selbst ist der eines kleinen, wild wachsenden Waldes. Alte teilweise stark zurück geschnittene Rosskastanien, Bergahorne und Eiben beschirmen das Gelände, zahlreiche kleinere Bäume sowie Sträucher im Unterwuchs machen es in der Vegetationsperiode undurchschaubar, Waldreben und Efeu ranken in den Gehölzen und geben dem Ganzen einen verwilderten Charakter.

Zahlreiche Gehölze besiedeln das Gelände darunter verschiedenen Weidenarten, Stieleichen, Robinien, die Schneebeere (besser als Knallerbse bekannt), Schwarzer Holunder, Weißdorn, Johannisbeere, Hartriegel und Hasel.

Der Pflanzenbewuchs sorgt für eine Verbesserung der Luftqualität im Quartier. Wenn sich im Sommer die Straßen aufheizen, bietet die Masse an vorhandenem Blattwerk Kühlung, Befeuchtung und die Reinigung der Luft von Schadstoffen. Das Kleinklima wird verbessert.

Der Regen fließt im Gegensatz zur versiegelten Umgebung nicht schnell ab, sondern verdunstet bzw. versickert langsam, und trägt auf diese Weise auch zur Grundwasseranreicherung bei.

Die für die Stadt ungewöhnlichen Standortbedingungen bieten Pflanzen und Tieren einen vielfältigen Lebensraum. Besonders im hinteren Teil, der fast unberührt und dicht bewachsen ist, können Tiere ein Rückzugsgebiet finden. Der Schwedenpark ist auch geeignet, ein Glied in einer Kette von “Biotopvernetzungen” in der Stadt zu sein. Dieser Aspekt ist besonders wichtig, damit Tiere und Pflanzen überhaupt ihren Weg zurück in die Stadt finden.

Ein bedeutsames Stadtbiotop ist der Schwedenpark vor allem durch seine Strukturvielfalt (mehrschichtige Vegetation sowie Verschiedenartigkeit der Standortverhältnisse) und sein recht hohes Alter (neben den 80-100 Jahre alten Bäumen wachsen die Sträucher seit drei Jahrzehnten fast ungestört). Beide Faktoren machen ihn über diesen Stadtbezirk hinaus einzigartig. Leider wurden in den vergangenen 10 Jahren mehrere Fällaktionen im Schwedenpark durchgeführt mit der Begründung, die Verkehrssicherheit müsse gewährleistet werden. Diesen Fällungen fielen auch die beiden größten Bergahorne zum Opfer.

Neben den eingangs genannten Gehölzen finden sich auch im krautigen Bodenbewuchs Arten des Waldes, so Walderdbeere, Knoten-Braunwurz, Nelkwurz, Giersch und Gundelrebe. Und natürlich die Keimlinge der Bäume und Sträucher. An einer Stelle mitten im Gelände weisen Bitteres Schaumkraut, Wasserdost, Kriechender Hahnenfuß und Rauhhaariges Weidenröschen auf relativ feuchten Boden hin. Aber auch trockene, lichtreiche Flächen sind vorhanden: hier dominieren Goldruten und Beifuß. Zwischen diesen sich ungestört entwickelnden Stauden hat die Zaunwinde, ein Rankgewächs, Fuß gefaßt.

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Zwischen dem dichten Strauch- und Krautbewuchs sind auch Platz und offener Boden geblieben für kurzlebige bzw. trittresistente Arten wie Wegrauke und Breitblättriger Wegerich, die im übrigen auch darauf hinweisen, dass das Gelände öfter betreten wird. Und an der alten Ziegelmauer im hinteren Teil des Parks hat das Zimbelkraut offenbar gute Bedingungen zum Leben vorgefunden. An dieser Mauer wurden auch mehrfach Fledermäuse beobachtet.

Mit unserem Eintreten für den Schwedenpark versuchen wir exemplarisch die Bedeutung von unbebauten Flächen für das Leben in der Stadt darzustellen. Dabei beziehen wir uns im Wesentlichen auf einen direkten Nutzen für die in der Stadt lebenden Menschen; Artenschutzgründe spielten dabei eine etwas untergeordnete Rolle.Für den Schwedenpark etablierten wir die Bezeichnung “Stadtbiotop” mit der Absicht, diese Art von weitgehend wild bewachsenen Flächen in ihrer Bedeutung hervorzuheben und gegenüber der eher negativen Wertung als Baulücke aufzuwerten. Unter “Stadtbiotop” verstehen wir eine wild bewachsene Fläche in der Stadt, die sich weitgehend ungestört, d.h. ohne intensive Pflegemaßnahmen entwickeln kann und aus diesem Grund etwas in der Stadt selten gewordenes, ungewöhnliches darstellt.

Ein Stadtbiotop bietet vielen Tieren und Pflanzen Heimat, die sich ansiedeln können, ohne dass der Mensch planend und ordnend eingreift. Dabei kommt es uns nicht auf den Seltenheitswert der Pflanzen- und Tierwelt an, sondern auf die Vielfalt einer Fläche. Für viele Aachenerlnnen sind solche Anblicke selten geworden, seit die meisten Baulücken in der Stadt geschlossen wurden. Die einmaligen und nicht zu übertreffenden Abenteuerspielplätze, die Trümmergrundstücke und Brachen boten, finden Kindern im städtischen Raum heute kaum noch vor. Der erzieherische Wert des Erlebens von “Naturräumen” erscheint uns besonders wichtig, da eine Umweltpädagogik ohne diese Erfahrungswelt keinen Nährboden findet.

Es geht um das Recht von Menschen, die in der Stadt leben, mit eigenen Augen Schmetterlinge und Vögel zu beobachten, Knospen und Samen auseinander zu pflücken und zu untersuchen, Wildblumen zu sehen oder sich an Brennnesseln zu verbrennen. Eine Beziehung zu natürlichen Gegebenheiten entwickelt sich nur, wenn sie Teil der alltäglichen Umgebung sind und als solche wahrgenommen und respektiert werden.Der Schutz und die Planung weiterer Stadtbiotope unterschiedlicher Art sind ein Konzept gegen die für Menschen, Pflanzen und Tiere eintönig und unwirtlich gewordenen Städte. Flächen wie der Schwedenpark sind eine zusätzliche Bereicherung zu den gepflegten Parks mit säuberlich geschnittenem Rasen und Blumenrabatten und müssen deshalb unbedingt einen eigenen Stellenwert zuerkannt bekommen.

(Januar 2016)