Bürger- und Jugendpark Moltkebahnhof

Seit dem Jahr 2000 ist er offiziell in die Liste der Aachener Parkanlagen eingereiht und doch kennen ihn selbst viele Bewohner des angrenzenden Frankenberger Viertels nicht. Denn der einstige Güterbahnhof liegt versteckt zwischen Bahndamm, Maria-Montessori-Gesamtschule und Frankenberger Burg. Wer allerdings einen schön gepflegten Park mit Blumenrabatten erwartet, wird überrascht sein. Neben großzügig angelegten Spiel- und Sportplätzen zeichnet sich das Gelände durch eine im Aachener Stadtgebiet einzigartige Wildnis aus.

Das ehemalige Güterbahnhof-Gelände schmiegt sich an den Dammfuß der Bahnlinie über das Gillesbach-Tal. Die Zufahrt der Züge erfolgte vom Bahnhof Rothe Erde aus, der Abtransport der Güter über Moltkestraße und Bergische Gasse. Obwohl es sich bei dem alten Bahnhofsareal um ein vollständig künstlich durch den Menschen umgeformtes Gelände handelt, finden wir auf dem verbliebenen Reststück ansonsten im Aachener Stadtgebiet so seltene Standort-Bedingungen vor, daß sich hier ungewöhnlich zahlreiche und seltene Pflanzen und Tiere angesiedelt haben.

Geschichtliche Entwicklung 

Der Güterbahnhof wurde 1892 im Rahmen der Neustrukturierung der Aachener Bahnhöfe angelegt, gut 50 Jahre nach dem Bau der Eisenbahnlinie Köln – Aachen – Antwerpen. Bis dahin dürfte es sich um einen recht idyllischen Ort gehandelt haben. Die weite Landschaft mit Wiesen und Äckern wurde vom Gillesbach durchflossen, der auch die breiten Wassergräben der Burg Frankenberg speiste.

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Das Gelände um 1885.

Anfangs erhoben die Aachener gegen das Bauvorhaben lautstark Protest, denn das Gelände gehörte zur damals noch selbstständigen Stadt Burtscheid. Auch befürchtete man negative Auswirkungen auf das gerade im Entstehen begriffene, noble Wohngebiet des Frankenberger Viertels. Gebaut wurde trotzdem – schon damals hatten wirtschaftliche Belange Vorrang.

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Der Güterbahnhof um 1985.

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Der Moltkebahnhof im ‘Dornröschenschlaf’

Etwa ab Mitte 1960, nach dem Einstellen des Bahnbetriebes, wurde das Gelände entweder als Gewerbefläche genutzt oder lag brach. Viele Jahre verbrachte der nur schwer zugängliche, ehemalige Güterbahnhof in einer Art Dornröschenschlaf. Ins Interesse der Öffentlichkeiterst rückte er wieder in den 80er Jahren. Mal sollte er das Kernstück einer Landesgartenschau im Jahre 2000 werden, mal als Gewerbefläche oder für die Bebauung mit Wohnungen freigegeben werden. Das Ökologie-Zentrum, das seit Jahren ökologische Führungen durch das Gelände anbot, setzte sich für eine Erhaltung als städtisches Biotop und Wildnis-Erlebnisraum ein und beteiligte sich mit einer Zukunftswerkstatt an der Diskussion. Einige der dabei entwickelten Ideen, wie die lange Rutsche von der Brücke Erzberger Allee, sind später sogar umgesetzt worden.

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historisches Bahnrelikt: Poller

Letztendlich wurde je ein Drittel des Geländes für Gewerbe und für die neue Gesamtschule genutzt. Das letzte Drittel blieb als Park unbebaut, doch leider mußte auch auf diesem Teilstück noch ein erheblicher Anteil der ursprünglichen Wildnis diversen Spiel- und Sportanlagen (“Aktionsbereich”) weichen. Die Tier- und Pflanzenartenvielfalt ist immer noch sehr hoch, z.T. haben sich neue Arten eingestellt. Leider ist die Standortvielfalt nicht mehr so breit wie vor der Umgestaltung, zu viel wurde mit schwerem Gerät planiert und “bereinigt”. Auch finden sich nur noch wenige Erinnerungen an die einstige Nutzung, denn die meisten Gleise wurden herausgerissen und abtransportiert. Geblieben sind die Schotter-Betten und die Ladestraße aus Basaltpflaster-Steinen sowie einige alte Bauelemente.

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letzte Gleisreste

Seither sind einige Jahre vergangen und der Charakter der Flächen hat sich stark gewandelt. Die gehölzfreien Biotope, die den besonderen Reiz ausmachten, sind weitgehend verschwunden. An ihre Stelle sind dichter Strauch- und Baumwuchs getreteten, eine Folge der natürlichen Sukzession. Auch diese Entwicklung ist ökologisch wertvoll, zumal sich neben den Pioniergehölzen Birke und Zitterpappel viele fruchttragende Sträucher, insbesondere prachtvolle Hundsrosengebüsche ausbreiten. Auf einem kleinen Teilbereich führt der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) jährlich in Zusammenarbeit mit der Stadt Pflegemaßnahmen durch, um die Fläche von Gehölzaufwuchs frei zu halten. Hier entwickelt sich ein blütenreiches Wiesenbiotop. Die einst für das Bahngelände typischen Ruderalfluren mit ihren im Stadtgebiet seltenen Pflanzen- und Tierarten jedoch verschwinden immer mehr.

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Schule mit Sportplatz

Ein Problem für die Natur ist der mittlerweile starke Besucherverkehr, erfreut sich der ‘Molle’ doch zunehmender Beliebtheit. Dadurch gibt es gibt kaum noch Ruhezonen für die Tierwelt. Eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Besucher ist jedoch nicht vorgesehen, denn NaturERLEBEN in der Stadt ist uns sehr wichtig, gerade für Kinder und Jugendliche. Wünschenswert wäre allerdings, dass dies auch die Hundehalter erkennen und die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeine beseitigen würden.

 

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( Januar 2016)